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  • Karin König

Der erste Satz

Die Kunst des Anfangens


Der erste Satz muss sitzen. Das gilt für diesen Blog genauso wie für das Manuskript, dass du schreiben willst. Aber wie schreibt man eigentlich einen richtig guten ersten Satz?


Der erste Satz eines Buchs hat hauptsächlich eine Funktion: Er soll die Lesenden dazu bringen, weiterzulesen. Er soll ihr Interesse in die Handlung, die Figuren und das Setting wecken, damit sie das Buch nicht wieder zurücklegen und zum Nächsten übergehen.


In vielen Schreibratgebern liest man immer wieder Tipps dazu, wie man NICHT anfangen soll. Erste Sätze, in denen Charaktere gerade aufwachen und ihren Tag beginnen oder in denen über das Wetter gesprochen wird, gelten als langweilig und banal.


Aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme! Vielleicht spielt das Wetter in deiner Geschichte eine ganz besondere Rolle, weil sich ein großer Tornado deinem Handlungsort nähert. Und Suzanne Collins Besteller „Die Tribute von Panem“ beginnt entgegen aller Ratschläge mit dem Satz „Als ich aufwache, ist die andere Seite des Bettes kalt.“

Die EINE Art, richtig anzufangen, gibt es also nicht. Aber es gibt durchaus ein paar Tricks, mit denen du deinen ersten Satz zum Strahlen bringen kannst.


1. Mitten in die Aktion.

Ein großer Streit, eine Schusswechsel, eine dramatische Verfolgungsjagd: Du langweilst deine Leser:innen nicht mit Vorgeplänkel, sondern steigst genau da ein, wo es brenzlig wird. So kannst du sicher sein, dass sie von der ersten Zeile an dabei sind.


2. Wer und wo

In deinem ersten Satz etablierst du deine Hauptperson und den Handlungsort. Damit wissen deine Leser:innen, worauf sie sich freuen können. Denk nur mal an den ersten Satz von J.J.R. Tolkiens Der Hobbit: „In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit.“ Mehr muss er nicht sagen, oder?


3. Style, Baby

Der erste Satz gibt dir die Chance, den Lesenden deinen ganz persönlichen Schreibstil zu zeigen. Damit kannst du sie von Beginn an davon überzeugen, dass dein Buch ihre Zeit wert ist. Ein Beispiel aus dem literarischen Kanon: „Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele“ aus Vladimir Nabokovs Lolita.


4. Weird wins

Wecke gleich mit der ersten Zeile Fragen im Kopf der Leser:innen. Mach sie neugierig auf deine Welt und die Charaktere, die du darin erschaffen hast, je ungewöhnlicher, desto besser. Man denke nur an George Orwells berühmte Dystopie 1984, die mit dem Satz: Es war ein strahlender, kalter Tag im April und die Uhren schlugen Dreizehn.“


Nicht jeder Anfang passt zu jedem Buch und am Ende kannst nur du entscheiden, wie du beginnen willst. Und djeder erste Satz ist besser, als gar nicht erst anzufangen. Aber vielleicht waren hier ja ein paar Ideen dabei, die dich inspiriert haben.


Wie fängt dein Lieblingsbuch an? Schreib es mir gerne in die Kommentare!


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