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  • Karin König

Das Setting in deinem Roman: Besser fiktiv oder real?


Neben dem Hauptkonflikt und den Charakteren ist es eines der wichtigsten Dinge, die du vor dem Schreiben deines Romans festlegen musst: Das Setting.


Wenn du Fantasy oder Science Fiction schreibst, steht meistens außer Frage, dass du eine eigene Welt aufbauen musst, deren Regeln und Besonderheiten du den Leser:innen im Lauf der Story näherbringst. Auf diese Art von World Building gehen wir ein anderes Mal ein. Heute geht es mir um Situationen, in denen du weißt, dass du eine Story schreiben willst, die in der „realen“ Welt spielt. Denn dann musst du dich irgendwann entscheiden: Soll die Handlung in einer echten Großstadt wie z. B. New York oder Shanghai spielen? In einem echten kleinen Ort, wie vielleicht der Heimat deiner Großeltern? Oder wäre es doch besser, sich einen Ort auszudenken.


Vorteile eines fiktiven Settings:

Wenn du dir dein Setting ausdenkst, sind dir keine Grenzen gesetzt. Du willst deine Geschichte in einer kleinen Stadt am Meer in Frankreich spielen lassen, in der eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert steht und es einen alten Friedhof mit gruseliger Geschichte gibt? Kein Problem, deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Durch ein fiktives Setting läufst du nicht Gefahr, Anwohner:innen echter Städte oder Inhaber:innen echter Geschäfte zu beleidigen. Das gilt besonders dann, wenn du über diese Orte hauptsächlich Negatives zu sagen hast. Wenn du also einen Thriller schreibst, in dem es in einem Restaurant zu einem dramatischen Mord kommt und sich die Polizisten sehr dilettantisch verhalten, weil sie die Mörderin immer wieder entkommen lassen, dann denk dir vielleicht besser einen Ort aus.


Du kannst keine kleinen Fehler machen, die bestimmten Leser:innen sofort auffallen. Wenn du dich dazu entscheidest, deine Geschichte in Kansas spielen zu lassen und dann beschreibst, wie sich deine Prota das Kennzeichen eines Autos merkt, dass hinter ihr herfährt und sie verfolgt, dann wissen alles Lesenden, die schon mal in Kansas waren, dass das unmöglich ist. In Kansas haben Autos nämlich nur hinten ein Kennzeichen, sie könnte also im Rückspiegel gar kein Kennzeichen sehen. Das ist natürlich nur ein triviales Beispiel, dass die meisten Leser:innen gerne verzeihen, zeigt aber trotzdem das Risiko, das mit einem realen Setting einhergeht: Wenn du dich nicht sehr gut auskennst, kann das schnell auffallen


Vorteile eines realen Settings

Wenn du dich dafür entscheidest, deine Geschichte in einem echten Ort spielen zu lassen, kann das dazu beitragen, dass sie sich für Leser:innen realer anfühlt. Manche Menschen kaufen Bücher sogar explizit deshalb, weil sie an einem Ort spielen, den sie kennen und lieben, aus dem sie kommen oder wo sie schon mal Urlaub gemacht haben, also kann das Setting durchaus ein Selling Point des Buchs sein.


Du musst dir nicht so viel ausdenken. Anstatt Straßennamen, Lokale und Denkmäler aus dem Boden zu stampfen, gehst du in den Google Street View und schaust dir an, wie es in bestimmten Ecken einer Stadt aussieht. Das Internet ermöglicht es uns, an fast jeden Ort der Welt zu reisen, sodass wir in unseren Beschreibungen nahe an die Realität kommen können, ohne dafür das Haus zu verlassen.


Bei realen Settings kann es sich empfehlen, jemanden Korrektur lesen zu lassen, der den Ort besonders gut kennt und dem kleine Ungereimtheiten (ich sage nur: Nummernschilder) direkt auffallen. Vor einigen Jahren habe ich mal ein Buch geschrieben, dass in den USA spielte, und obwohl ich dachte, das Setting recht gut zu kennen, haben mich Testleser noch auf einige Fehler aufmerksam gemacht, die ich übersehen hatte.


Natürlich kannst du dich am Ende auch für eine Mischform der beiden Möglichkeiten entscheiden. Vielleicht spielt dein Buch in einem realen Dorf, aber die Schule, die dein Prota besucht, hast du dir ausgedacht. Oder dein Buch spielt in London, aber das Viertel, in dem die Handlung stattfindet, gibt es nicht. So kannst das Beste beider Welten mitnehmen.


Wo spielt dein Roman? Schreib es mir in die Kommentare!

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