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  • Karin König

Genre-Deepdive: Kriminalroman


In dieser Blogpost-Reihe tauchen wir tief in literarische Genre ein und schauen uns an, was sie ausmacht und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Wir gehen ihren Geschichten und verschiedenen Ausprägungen auf den Grund und schauen uns außergewöhnliche Bücher aus diesem Genre an. Heute machen wir den Anfang mit dem Kriminalroman, kurz: Krimi.


Geschichtliche Entwicklung


Mord, Todschlag und Verbrechen, Schuld, Sühne und Bestrafung: All das sind Themen, die die Menschen schon in der Antike fasziniert haben. Dementsprechend finden sich solche Motive bereits in den Dramen aus dieser Zeit wieder. Den ersten Versuch, einen Kriminalfall sachlich zu beschreiben, unternahm Friedrich Schiller im Jahr 1786 mit seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre." Darin erzählt er die wahre Geschichte eines Menschen, der zum Verbrecher wird. In dieser Zeit wurden Nacherzählungen von wahren Kriminalfällen und Skandalen, besonders aus der High Society, die meist von anonymen Autoren, unter anderem Anwälten, verfasst wurden (sog. Fact Crimes).


Die ersten Krimis, wie wir sie heute kennen, entstanden etwa zur Zeit der industriellen Revolution, also im 19. Jahrhundert. Davor lebten die meisten Menschen in kleinen Städten und hatten kleine soziale Kreise, kannten also ihr ganzes Umfeld. Durch die Industrialisierung zogen immer mehr Menschen in große anonyme Städte, die Kriminalität und damit auch die Unsicherheit stieg an.Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Polizeistationen gegründet (z.B die Londoner Polizei im Jahr 1829 und die New Yorker Polizei 1845). Als erster richtungsweisender Detektivroman gilt Edgar Allan Poe´s "Der Doppelmord in der Rue Morgue" aus dem Jahr 1841.


Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stellte sich als Blütezeit der (hauptsächlich britischen) Kriminalromane heraus, in der Autorinnen wie Agatha Christie und Dorothy Sawyers begannen, ihre Werke zu veröffentlichten. Als Antwort auf die britische Erzählweise des "Whodunnit" ("Wer hat es getan") wurden in den USA Kriminalromane geschrieben, die sich meistens um einen einsamen Ermittler drehten, der sich durch eine zynische Weltsicht und wenig Achtung vor Gesetzen auszeichnete, der sog. "hardboiled-detective".


Ausprägungen und Subgenres


Heute finden sich in unseren Bücherregalen Kriminalromane in ganz verschiedenen Ausprägungen und Stilrichtungen.


Cozy Crime: In diesem Subgenre ermittelt meist ein Amateur-Detektiv in einem beschaulichen Setting wie einer Kleinstadt. Das Verbrechen kann, muss aber kein Mord sein, Gewalt steht im Hintergrund und es ist das Krimi-Subgenre mit dem größten "Wohlfühlfaktor"


Legal Crime: Der Fokus der Handlung liegt auf einer Person im Rechtssystem wie z.B einem Anwalt, der ein Verbrechen aufarbeitet.


Police Procedural: Leser begleiten hier Polizisten oder andere Ermittlerfiguren wie Rechtsmediziner oder Analytiker bei der Aufklärung eines Verbrechens, wobei großer Wert auf Realitätsnähe gelegt wird


Hardboiled/Crime Noir: Der Gegenentwurf zum Cozy Crime. Hier geht es um Gewalt, Betrug, menschliche Abgründe. Der Ermittler ist meist selbst eine zynische Figur, die sich in einer gefährlichen, düsteren Welt bewegt.


Klassische Tropes in Kriminalromanen


Der "Sherlock Holmes"-Detektiv: Ein Charakter, der Doyles berühmten Detektiv nachempfunden ist, meist kühl, analytisch, unglaublich intelligent und am Ende immer auf der richtigen Spur


Der Ermittler mit Alkoholproblem: Häufig in Crime Noir anzutreffen ist dieser Ermittler eine Hauptfigur, deren Beruf sie in eine Sucht getrieben hat, die ihr nicht nur die Ausführung ihres Jobs, sondern auch ihr Privatleben torpediert


Das Locked-Room-Mystery: Ein Mord geschieht in einem von innen abgeschlossenen Raum. Auf den ersten Blick erscheint das unmöglich. Aber am Ende wird der Täter doch noch geschnappt


Der schrullige Detektiv: Kleiner Gegenentwurf des Sherlock-Holmes-Detektivs. Dieser Charakter ist meistens etwas eigentümlich und wird dadurch gerne unterschätzt (man denke an Miss Marple), ist am Ende aber jedem Verbrecher überlegen.

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